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Jul 27 2012

Revolte im L’Olympia

Zunächst war alles perfekt. Die Halle bot genau das, was sich die Fans seit Jahren gewünscht hatten: eine kleine, intime Zusammenkunft mit Madonna. Selten war man ihr so nahe. Entsprechend bestens war die Stimmung; überall nur glückliche Gesichter; jeder war froh überhaupt dabei sein zu können. Die Show war brilliant. Vom ersten Song an, Turn Up The Radio, feierte die gesamte Halle mit. Die Fans jubelten während ihrer superlangen Rede, flippten aus bei Vogue, genossen den Beautiful Killer/Die Another Day Mashup (Ex-James Bond Pierce Brosnan war übrigens auch im Publikum), und insbesondere die französischen Fans freuten sich natürlich über Madonnas Liebeserklärung an Frankreich und Paris. Die Fans feierten ihre Königin, und diese war sichtlich zu Tränen gerührt. Ihre verruchte, ironische und provokante Darbietung des französischen Klassikers Je t’aime moi non plus, im Original von Jane Birkin und Serge Gainsbourg, die mit der dramatischen Exekution ihres Lovers endete, war zweifellos einer der Höhepunkte der Show. Die Stimmung in der Halle war unbeschreiblich, das Gejubel groß. Und deutlicher als mit dem finalen Je t’aime Screen konnte Madonna ihre Liebserklärung an die französische Nation nicht mehr machen.

Doch als dann die Lichter angingen schauten sich die Fans erstaunt um. Alle erwarteten, dass es noch weiter ginge. Und als dann Guy Oseary, der die Show vom Balkon aus mitverfolgt hatte, verschwand, und die Musiker begannen, ihre Instrumente einzupacken, dämmerte es den Fans, dass es schon vorbei war. Die Show hatte gerade mal 50 Minuten gedauert, und die Stimmung im Saal kippte dramatisch. Die Fans buhten, schrien, wurden aggressiv. Vom Balkon aus wurden Flaschen auf die Bühne geworfen. Sie schrien „Remboursez! Remboursez! (Wir wollen unser Geld zurück!)“ und beschimpften sie als „Salope (Miststück)“. Einige Fans versuchten, Madonna zu verteidigen. Vergeblich. Die meisten der Anwesenden hatten nicht gewusst, dass es nur eine Promoshow sein sollte, was auch bei den Ticketpreisen von bis zu €280 für einen Sitzplatz nicht unbedingt zu vermuten war. Sie alle dachten, sie würden eine komplette Show geboten bekommen und fühlten sich nun betrogen. Sie weigerten sich, den Saal zu verlassen und protestierten und schrien weiter. Auch im Foyer und draußen noch machten sich die Fans ihrem Ärger Luft. Die Manager des L’Olympia sahen sich genötigt, vorsichtshalber die Polizei zu rufen und ein Riesenaufgebot an Polizisten marschierte auf. Eingreifen mussten sie aber nicht.

Letztendlich ist dieses Debakel auf einen Kommunikationsfehler von Madonnas Management zurück zu führen. Wenn beim Verkaufsstart der Tickets bekannt gewesen wäre, dass es sich um eine kurze Promoshow handeln würde, hätten viele die Tickets nicht gekauft, insbesondere die, die extra von weitem angereist waren. Durch die Art der Pressemitteilung waren aber falsche Erwartungen geschürt worden, und es waren lediglich Gerüchte über eine nur 1-stündige Show, die sich im Internet verbreitetet hatten. Madonnas Auftritt im L’Olympia hätte ein bedeutender Meilenstein ihrer Karriere werden können, und die Show selbst hatte auch das Zeug dazu. Aber so bleibt ein bitterer Nachgeschmack.