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Aug 08 2012

Politische Mission in Moskau

Nach der Sicherheitswarnung der US Botschaft gestern machten sich natürlich einige Fans Sorgen, was womöglich alles während des Konzertes in Moskau passieren könnte. Sowohl Madonna, ihre Crew und sämtliche Besucher des Konzertes schienen in Gefahr. Wie sich heraus stellte, kam die Bedrohung nicht nur von Befürwortern des Anti-Schwulen-Gesetzes sondern hatte sich aus diversen politischen Gruppierungen zusammen gebraut. So hatte sich Madonna auch den Zorn von pro-Putin-Anhängern zugezogen, die von ihrem Statement für die Pussy Riots während des Interviews bei der Eröffnung des Hard Candy Fitnessstudios nicht gerade begeistert waren. Man warf Madonna offen vor, sich in interne russische Angelegenheiten einzumischen, aus denen sie sich besser raushalten solle. Und religiöse Gruppierungen, die Madonnas Shows schon seit jeher als zu provokant und blasphemisch betrachten, waren natürlich sowieso mal wieder auf Anti-Madonna-Mission. So hatte sich in Moskau eine geballte Anti-Madonna-Stimmung aufgebaut, die sich in entsprechenden Aktionen während der Show entladen sollte.

Die Sicherheitsvorkehrungen waren entsprechend verschärft worden. Alle Fans wurden genauestens durchsucht, was den Einlass natürlich erheblich verzögerte, sodass viele den Soundcheck verpassten, der nur vor den sehr wenigen Fans stattfand, die schon langsam in die Olimpiski Arena strömten.

Madonna ließ sich von der Sicherheitswarnung aber nicht einschüchtern. Ganz im Gegenteil; sie legte nochmal kräftig nach. Während ihrer flammenden Rede sprach sie sich für Presse- und Meinungsfreiheit aus, für die Gleichberechtigung aller Menschen und bezeichnete die Aktion der Pussy Riots, für die sie nun vor Gericht stehen, als mutig und forderte deren Freilassung.

Doch damit nicht genug. Am Ende des Strips von Human Nature war nicht wie sonst „No Fear“ auf Madonnas Rücken zu lesen sondern „Pussy Riots“. Und zum folgenden Like A Virgin zog sie sich eine schwarze Kapuze über, so wie die Pussy Riots es bei ihrem schicksalhaften Auftritt getan hatten.

Anbei ein Video mit der kompletten Rede. Bei lifenews.ru gibt es ein weiteres Video davon, gekürzt aber dafür aus der Nähe aufgenommen.

Schlimmes passiert ist während der Show gottseidank nicht. Es waren keine Randalierer in die Arena gekommen. Draußen vor der Arena hatte es den ganzen Abend lang Protestbekundungen gegeben, die aber weitgehend friedlich verlaufen waren. Madonnas Statement aber schaffte es in sämtliche russische Medien. Natürlich berichten die meisten nicht gerade positiv über sie, aber sie wurde deutlich gehört.