«

»

Nov 23 2012

Sieg über St. Petersburg-Klage

Eine Zeit lang hatte es nicht gut ausgesehen für Madonna im Fall der Klage wegen homosexueller Propaganda in St. Petersburg. Und obwohl man ihr auferlegt hatte, zu dem Verhandlungstermin persönlich zu erscheinen, ließ sie sich dort natürlich nicht blicken sondern setzte ihre Tournee durch die USA unbeirrt fort. Ihre Anwälte kämpften gegen die Kläger und um die Gunst des Richters Vitaly Barkovsky in der Verhandlung, die sechs Stunden dauerte.

Die Ankläger trugen erneut ihre bekannten Vorwürfe vor, dass Madonna mit ihren Äußerungen und der Armbandaktion während des Konzerts gegen geltendes Recht verstoßen und damit moralischen Schaden angerichtet habe. Sie führten aus, dass dadurch der russischen Gesellschaft der Verfall drohe, die Armee sich nicht mehr ausreichend bemannen ließe, die Scheidungsraten steigen würden und noch weiteren ähnlichen Blödsinn.

Doch der Richter ließ sich durch diese Ausführungen nicht sonderlich beeindrucken und war letztendlich ganz auf Madonnas Seite. „Wie viele Familien sind auseinander gebrochen, weil ein Elternteil homosexuell ist? Und wie viele aufgrund von Alkoholismus? Wie viele Klagen haben Sie gegen Alkoholfirmen eingereicht?“ fragte Barkovsky die Ankläger herausfordernd. Am Ende der Verhandlung sprach er Madonna von allen Vorwürfen frei und stellte fest, dass sie keinen Rechtsbruch begangen habe. Er begründete sein Urteil damit, dass das Konzert nur für Erwachsene ab 18 Jahren frei gegeben war. Wenn Eltern minderjährige Kinder mit in die Veranstaltung gebracht haben, läge das in deren Verantwortung.

Durch seine Ausführungen machte der Richter deutlich, dass er das Gesetz zur homosexuellen Propaganda selbst wohl als zumindest anzweifelbar betrachtet. Doch er konnte geltendem Recht natürlich nicht widersprechen und bediente sich daher eines Kniffs, um Madonna freizusprechen, und begründete sein Urteil nicht mit moralichen Grundsätzen (obwohl er während der Verhandlung klar machte, auf welcher Seite er steht) sondern mit der Anwendung des Erwachsenenrechts auf die fragliche Veranstaltung.

Quelle: Rian