«

»

Apr 11 2013

Der Brief an Präsidentin Banda – Der Krieg der Worte geht weiter

Der Brief, den Madonna an Präsidentin Banda geschrieben hat und in dem sie um ein Treffen bittet, ist plötzlich öffentlich aufgetaucht. Es ist nicht bekannt wer aus dem Kreise der malawischen Regierungsbeamten ihn an die Presse lancierte und warum. Aber ganz offenbar möchte man sich in Malawi weiter über Madonna lustig machen und den Krieg der Worte weiter führen. Ein Foto von dem Brief gibt es in der New York Daily News. Es handelt sich um ein handgeschriebenes Dokument auf offiziellem aber schlichtem Madonna-Briefpapier. Hier der Wortlaut:

Liebe Joyce, lass mich dir zunächst zu deiner neuen Position in Malawi gratulieren!
Was für eine Ehre und eine große Verantwortung! Ich habe deine Kraft und deinen Mut
immer bewundert und habe tolle Erinnerungen an unser Treffen, als wir dich wir für
die Dokumentation interviewt haben. Wie du weißt, bin ich diese Woche in Malawi.
Wenn du etwas Zeit für ein Treffen in deinem vollen Terminkalender hast, wäre das
toll. Wenn nicht, sei gewiss, dass ich weiterhin helfen werde, über die Kinder in
Malawi zu wachen und sie zu unterstützen! Wenn es ein Projekt gibt, von dem du
denkst, dass wir daran gemeinsam arbeiten können, lass es mich einfach wissen! Ich
wünsche dir alles Gute!!! Viel Glück! Liebe Grüße. Mit großem Respekt.

Abgesehen davon, dass Madonnas Handschrift ein fast unleserliches Gekritzel und der Brief voller orthographischer Fehler ist („responsability“ statt „responsibility“ oder „whatch“ statt „watch“), ist es vor allem der Ton, durch den sich Joyce Banda beleidigt fühlt. Mit „Liebe Joyce“ redet sie die Präsidentin des Landes einfach mit Vornamen an und baut auch im weiteren Verlauf des Briefes einen Tonfall engster Vertrautheit auf, so wie man es von einem Brief zwischen zwei engen Freundinnen erwarten würde, aber nicht bei einem Audienzgesuch an eine Präsidentin. Mit der Gratulation zur „neuen Position“ setzt sie das Erlangen der Präsidentschaft quasi mit einer Beförderung in einer Firma gleich und tritt mit dem Hinweis, dass dies „eine große Verantwortung“ sei, gleich ins nächste Fettnäpfchen, als ob die Präsidentin darauf hingewiesen werden müsste, was ihr nun für eine Verantwortung obliegt. Und so geht es weiter. Erst im letzten Satz, der abschließenden Grußformel „Mit großem Respekt“, findet Madonna schließlich den richtigen Ton.

Während sich die Presse weltweit über den Brief lustig macht, tritt Banda nach und lässt über das Malawi State House, der Pressestelle der Regierung, verlauten, wie sie über Madonna denkt. In 11 Punkten rechnet sie mit Madonna ab und begründet, warum sie ihr nicht die erwartete Aufmerksamkeit zuteil werden ließ. In Kurzform steht dort, dass Madonna sämtliche Regeln eines Staatsbesuches missachtet habe und daher als gewöhnliche Touristin betrachtet wurde. Außerdem nehme man die Art und Weise, wie Madonna Wohltätigkeit betreibt, nicht als echte Wohltätigkeit wahr, die für gewöhnlich still und leise, anonym und ohne Gegenleistung erfolgt, sondern als ein Versuch die malawische Regierung über geforderte ewige Dankbarkeit an sich zu binden und damit erpressbar zu machen. Banda macht deutlich, wer in Malawi das Sagen hat, nämlich sie, die Präsidentin, und kein von Egomanie getriebener Popstar, der sich anmaßt, mithilfe von Ruhm und Geld das Präsidentenamt eines anderen Landes zu unterminieren.

Das sind harte Vorwürfe, die dort in den 11 Punkten aufgeführt werden, und die nur schwer, falls überhaupt, zu überbrücken sein werden. Es scheint, dass wenn Madonna ihre Projekte in Malawi fortführen möchte, sie dies in den nächsten Jahren ohne die Zustimmung der malawischen Regierung tun werden muss. Eine enge Freundschaft zwischen Madonna und Joyce, wie in dem Brief herauf beschworen, wird es sobald nicht geben.

Quellen: NY Daily News, Nayasa Times