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Dez 21 2014

Das rebellische Herz – Der Auftakt

Rebel Heart, zumindest die ersten 6 Songs davon, sozusagen der Auftakt zu einer neuen Madonna-Ära, die uns im Frühjahr vollends erfassen wird, schlug ein wie eine Bombe. Überall auf der Welt freuen sich die Fans wie verrückt über Madonnas neuestes musikalisches Lebenszeichen, und es gefällt bestens. Die 6 Songs wirbelten gestern direkt nach Madonnas Ankündigung wie auf Kommando überall auf der Welt die Download-Charts durcheinander; in den meisten Ländern belegten sie 6 Plätze in den Top 10, in vielen sogar die ersten 6 Plätze. Ausgerechnet in Deutschland waren sie nicht ganz so erfolgreich, und die Platzierungen erstreckten sich über die Plätze 11 – 29.

Obwohl es nur 6 Songs sind, decken sie doch eine große musikalische Bandbreite ab, House, HipHop, Ballade und sogar Reggae, alles ist dabei. Und häufig lassen sich die Songs gar nicht eindeutig einem Genre zuschreiben sondern verbinden Elemente verschiedener Genres zu einem neuen, interessanten Sound. Besonders positiv fällt auf, dass Madonna sich auf ihre alte Stärke zurück besinnt: eingängige Melodien, die sofort zum Mitsingen einladen. Während auf MDNA hauptsächlich die elektronischen Produktionen Schauwerte besaßen, und Madonna ihre Stimme leider ständig vom Vokoder verzerren ließ, bekommen wir auf Rebel Heart typische Madonna-Hooks noch und nöcher. Auch die Texte überraschen äußerst positiv. Keine belanglosen Allgemeinplätze à la „meet me on the dancefloor“, sondern reife und erwachsene Betrachtungsweisen zu Beziehungsschwierigkeiten, Drogenmissbrauch, Religiösität und weiterer durchaus tiefgründiger Themen. Wenn man den Diskussionen auf Facebook und in den einschlägigen Fanforen folgt, kristallieren sich Living For Love, Ghosttown und Devil Pray als besondere Favoriten heraus, aber auch die anderen, eher verrückten Songs gefallen.

Schauen wir sie uns genauer an:

Living For Love – Hätte die erste Single werden sollen, veröffentlicht am Valentinstag, also am 14.2. Nach den euphorischen Reaktionen der Fans zu urteilen, wäre dies ein sehr erfolgreicher Singlelaunch geworden. Hier dominieren die House-Elemente: ein typisches House-Piano, dumpfe Bässe, ganz im Stil der 90er Jahre Househymnen. Die Melodieführung hebt den Song auch in hymnenähnliche, stellenweise sogar fast gospelartige Sphären. Inhaltlich geht es um eine zunächst sehr glückliche Beziehung, in die sich Madonna ganz fallen ließ, um dann bitter auf den Boden der Tatsachen zurück zu fallen. Aber natürlich steht sie auf und macht weiter. Im Hintergrund hören wir Alicia Keys, geschrieben wurde das Stück von Madonna Ciccone, Thomas Wesley Pentz, Alicia Keys, MoZella, Ariel Rechtstaid, Toby Gad und Nick Rowe, produziert von Diplo, also eine kollaborative Meisterleistung.

Devil Pray – Hier beschreibt Madonna, vermischt mit religiösen Motiven, die Sinnlosigkeit des Drogenkonsums, der keine Probleme zu lösen vermag, denn es ist der Teufel, der uns fälschlicherweise glauben lässt, dass die Flucht in Drogen die Antwort auf unsere Probleme wäre. In der Demoversion war dies eine Countrysong. In der finalen Version erinnern nur noch die Gitarren ganz leicht an den ursprünglichen Countryvibe, ansonsten ist er zu einer reinen Housenummer geworden. Wieder hören wir typisches House-Piano, elektronsiche aber diesmal sanftere Beats, in den Bridges religiöse Gesänge. Das stärkste an dem Stück ist aber die Melodie, die den Song fast ganz allein trägt. Man möchte am liebsten die ganzen 4 Minuten mitsingen. Madonna schrieb den Song allein mit Ryan Tedder, ein eindrucksvoller Beweis ihrer Songwriterqualitäten. Den Housesound steuerten Produzenten DJ Dahi und Blood Diamonds bei.

Ghosttown – Trotz des umfangreichen Leaks konnte Madonna uns doch noch überraschen. Sie gibt uns einen Song, der nicht dabei war. Zwei Liebende halten zusammen, wenn auch die Welt drum herum zusammen bricht, illustriert durch einen wunderschönen Songtext reich an Bildern und Metaphern. Wieder eine starke Melodie, diesmal als Ballade produziert von Billboard, geschrieben von Madonna Ciccone, Jason Evigan, Evan Bogart und Sean Douglas. Erneut erstklassige Songwriterqualitäten aller Beteiligten, die uns an die Ära von Something To Remember erinnert. Madonna war schon immer stark, wenn es um Balladen mit wunderschönen Melodien ging.

Unapologetic Bitch – Hier kommt der von Diplo angekündigte Reggaesound, was einigen Fans ein bisschen Angst gemacht hatte. Aber Madonna mischt Danceelemente hinein und macht aus dem Reggaesong eine Spaßnummer zum Mittanzen. Auf der Tour könnte der Song richtig gut funktionieren. Stellt euch Tausende Fans vor, die zu dem Reggaerhythmus mitwippen und auf den bösen Lover mitschimpfen, den Madonna in dem Lied abschießt. Geschrieben von Madonna Ciccone, Thomas Wesley Pentz und Sophie, produziert von Diplo ist dieser Song ein musikalischer Stinkefinger, den es Spaß macht auszustrecken.

Illuminati – In einer Mischung aus Gesang und Rap, deutlich hörbar produziert von Kanye West, zählt Madonna im bewährten Vogue-Stil bekannte Persönlichkeiten und Firmen auf, die ihrer Meinung nach definitiv keine Illuminati sind (nun ja, wer weiß das schon so genau) und erteilt uns eine Lektion über Politik und die Macht der Medien. Ein basslastiges Midtempo-Stück durchsetzt von Synthiesounds von Madonna Ciccone und Thomas Wesley Pentz, das eher zu den verrückten, schrägen Nummern zählt.

Bitch I’m Madonna – Wilde Percussions, sequenzierte Streicher, Synthiesounds, Geräusche und mehr Rap als Gesang, dazu Nicki Minaj mit einem Rapteil in der Mitte. Irgendwie HipHop, auch ein bisschen Dance, lässt sich der Song nicht wirklich fassen und ist die verrückteste Nummer auf dem Album bislang. Könnte fast noch von MDNA stammen. Es geht um Girl Power, zwei Frauen, die eine Nacht lang richtig einen drauf machen und einfach nur Spaß haben wollen, auch wenn sie allen anderen Außenstehenden dabei vor den Kopf stoßen. Komponisten Madonna Ciccone, Thomas Wesley Pentz, Sophie und Onika Maraj sowie Produzent Diplo zeichnen verantwortlich für diesen irren Stilmix.

So weit der offizielle Teil. Die Fans sind erstmal glücklich. Und aus den Leaks wissen wir, dass da noch viel, viel, viel Tolles auf uns zukommt. Und 5 Songs kennen wir ja noch gar nicht. Es zeichnet sich jetzt schon deutlich ab, dass Rebel Heart Madonnas bestes Album seit langer, langer Zeit wird.