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Jan 12 2015

Der Rebel Heart Coup

Guy Oseary gab Billboard ein Interview, in dem er über die Herausforderung berichtete, nach der ersten Leakwelle im Dezember kurzfristig einen Teilalbumlaunch zu realisieren. Es war am 16. Dezember, als Madonna von den geleakten Songs erfuhr. Sie war gerade in ihrem New Yorker Apartment und rastete spontan erstmal aus und ergoss sich in erbosten Instagram-Postings. Doch natürlich, ganz der Profi, der sie ist, hatte sie sich schnell wieder im Griff und machte sich sofort daran, eine Notlösung zu finden. Guy Oseary war zu dem Zeitpunkt gerade auf dem Weg zu seinem Haus in Beverly Hills, als Madonna ihn anrief. Am Telefon blieb er dann an diesem Tag auch nach eigenen Angaben von 6 Uhr morgens bis 6 Uhr am nächsten Morgen, um mögliche Lösungen zu eruieren.

Am Morgen des 17. Dezember gab es eine Konferenzschaltung zwischen Oseary, Madonna und Steve Berman, Vizepräsident von Interscope Records. Berman erinnert sich, dass Madonna sehr wütend, aufgebracht und emotional war: „Sie sagte zu mir, Steve, meine Musik ist wichtig für mich. Es geht nicht, dass meine Songs auf falsche Weise gehört werden.“ Berman schlug vor, Apple zu kontaktieren und zu versuchen, einen Teil des Albums vorab zu veröffentlichen. Erst eine Woche zuvor hatte Berman zusammen mit Interscope CEO John Janick Madonna in New  York besucht, um sich die Songs anzuhören, die schon fast fertig waren. Diese sollten nun über iTunes gelauncht werden.

Das Problem hierbei war allerdings, dass iTunes, wie jedes Jahr, am 19. Dezember in den Weihnachtsmodus schalten würde. Ab da würde es nicht mehr möglich sein, Songs oder sonstige Apps und Updates in den Store zu laden; über die Weihnachtswochen verkauft iTunes immer nur den aktuellen, unveränderbaren Stand seines Angebots. Es blieben also nur 2 Tage Zeit, die Songs fertig zu stellen. Hinzu kam, dass Robert Kondrk, Content Manager bei iTunes, sich bereits mit seiner Familie im Weihnachtsurlaub in Mexiko befand. Es war also Osearys Aufgabe, Kondrk aufzuspüren und ihn in kürzester Zeit dazu zu überreden, für Madonna einen Sonderlaunch zu realisieren. Oseary versteht sein Handwerk, denn in der Tat unterbrach Kondrk seinen Urlaub, um bei Apple den Launch durchzusetzen. Weniger enthusiastisch zeigte man sich in den Chefetagen der Universal Music Group, deren Tochter Interscope ist. Man schlug dort vor, die Sache auszusitzen und das Teilalbum ggf. zu Jahresbeginn zu veröffentlichen. Eine hektische Aktion wie diese waren nicht deren Ding. Wieder bedurfte es Osearys ganze Überzeugungskraft, die Executives bei UMG in Madonns Sinne zu bewegen.

Während Oseary also an der geschäftlichen Front kämpfte, lag es an Madonna, innerhalb von 48 Stunden den kreativen Teil beizusteuern. Sie schloss sich in ihrem Studio in New York ein und erstellte die finalen Mixes der 6 Songs. Es war keine Zeit, ihre Produzenten anzurufen; da musste sie nun allein durch. Auch das finale Mastering erstellte sie selbst bis in die frühen Morgenstunden des 18. Dezember. Im Laufe des Tages wurden die Songs dann an Apple geliefert, die die Songs ihrerseits für den Launch im iTunes Store vorbereiteten. Sobald die Songs verfügbar waren, ging die Pressemitteilung raus.

Das Ergebnis ist bekannt. Die Songs schossen sofort auf Nummer 1 in über 40 Ländern, zumindest für ein paar Tage. Der Leak war die bislang größte Katastrophe eines Künstlers im Musikbusiness. Und Madonna setzte einen neuen Industriestandard mit der blitzschnellen Reaktion darauf. Der bislang größte Coup eines Künstlers im Musikbusiness.

Aktuell mastern Chris Gehringer and Mike Dean Madonnas Songs für den Februar-Launch.

Quelle: Billboard