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Feb 26 2015

Der Tag danach

Es sollte ein unvergesslicher Auftritt werden; sie wollte auf die Titelseiten mit einer Aufsehen erregenden Performance. Das hat sie definitiv geschafft, wenn auch nicht so wie geplant. Während über die anderen Künstler des Abends kaum berichtet wird, ist Madonnas Sturz natürlich das Thema Nummer 1 überall auf der Welt. Twitter explodierte geradezu direkt nach dem Vorfall.

Natürlich gibt es die Kommentare, die sich lustig machen. Einige sind sogar hämisch und schieben den Unfall auf Madonnas Alter. Einige Journalisten haben den Vorfall nicht mal richtig recherchiert; t-online beispielsweise schreibt, dass Madonna sich mit ihren hochhackigen Schuhen in ihrem langen Cape verfangen und dann das Gleichgewicht verloren habe. Die meisten Berichte sind aber durchaus positiv und loben Madonnas Professionalität. Kaum jemand wäre nach einem solchen Sturz einfach so wieder aufgestanden und hätte weiter gemacht. Madonna muss mindestens ein paar schmerzhafte blaue Flecken davon getragen haben. Doch sie zeigte sich als Kämpferin, die sich von gar nichts und niemandem unterkriegen lässt und nicht umsonst seit Jahrzehnten den Titel der Königin des Pop trägt.

In der Tat ist es ihrer 30-jährigen Erfahrung im Musikbusiness zu verdanken, dass sie es innerhalb weniger Sekunden schaffte, sich zusammen zu reißen, Haltung zu bewahren, den Unfall hinter sich zu lassen und mit der Show weiter zu machen. Selbst ihre Tänzer guckten nur verdutzt herum anstatt ihr spontan zu helfen, als sie am Boden lag, sodass sie sich selbst wieder auf die Beine brachte und ihnen signalisieren musste, dass die Show jetzt weitergeht. Und natürlich ist es ihrer Fitness zu verdanken, dass sie den Sturz so unbeschadet überstanden hat. Keiner, der mal eine Treppe hinunter gefallen ist, hat danach noch 5 Minuten getanzt und gesungen. Und sie hatte ja noch einige schwierige und gefährliche Choreographieelemente vor sich. Sie musste sich noch mehrmals von diversen Tänzern hoch heben und herum wirbeln lassen und betete wahrscheinlich innerlich, dass man sie jetzt nicht auch noch fallen lassen würde.

Madonna bewies, dass ihre Songtexte nicht nur leere Phrasen sind, sondern dass sie sie lebt: „let me fall down / watched me stumble / I’m gonna carry on„. Eindrucksvoller konnte sie kaum unter Beweis stellen, dass ein Sturz sie nicht aufhalten und sie eine Niederlage in einen Triumph verwandeln kann: „I picked up my crown / Put it back on my head„. Genauso wahr sind wahrscheinlich auch die Zeilen „Each time they write a hateful word / Dragging my soul into the dirt / I wanna die / One word of kindness, it can save me„. Während die Presse nun wieder einmal über sie herzieht, kann sie Kraft aus den Aufmunterungen ihrer Fans schöpfen.

Auch bewies der Vorfall, dass Madonna kein Playback benutzte. Anschuldigungen gewisser Künstler (ehm, wie war das, Sir Elton John..?) sind also definitiv haltlos.

Unfair wäre es jetzt, dem oder den Tänzern, die an Madonnas Cape gezogen haben, die Schuld zu geben. Sie sollten ja genau das tun, ihr das Cape „vom Leib reißen“, und konnten von hinten nicht sehen, dass Madonna den Knopf, oder wie auch immer ihr Cape befestigt war, vorne noch nicht hatte lösen können. Wenn überhaupt, hat vielleicht eine Gardrobiere das Cape zu fest befestigt. Hier zeigt sich, dass bei einem Auftritt wirklich jedes kleine Detail zählt und über Erfolg und Misserfolg entscheiden kann, und wenn es nur ein Knopf ist.

Und übrigens, Living For Love schoss schon kurz vor Beginn der Brit Awards auf Platz 1 der UK iTunes Charts.