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Mrz 27 2015

Rebel Heart – Schlechter Start und tiefer Fall

Es klang zunächst eigentlich alles ganz gut. Nummer Eins der Welt, Nummer Eins und Top Ten in zahlreichen Ländern, viele positive Rezensionen, Aussagen wie „Madonnas bestes Album seit Ray of Light“ usw. Doch die Verkaufszahlen sprechen eine andere Sprache. 116.000 verkaufte Alben in den USA, 315.000 verkaufte Alben weltweit in der ersten Woche. Das war zwar genug, um damit Nummer Eins der Charts zu werden. Verglichen mit Madonnas früheren Verkaufserfolgen sind diese Zahlen allerdings desaströs. Insbesondere wenn man bedenkt, dass viele Fans mehrere Editionen gekauft haben. Sogar ihre vermeintlich „schlechten“ Alben wie Hard Candy und MDNA verkauften sich in der ersten Woche besser. MDNA ging in der ersten Woche 359.000 Mal über die (virtuelle) Ladentheke allein in den USA, mehr als Rebel Heart weltweit. Rebel Heart weist sogar die schlechtesten Verkaufszahlen der ersten Woche seit Bedtime Stories von 1994 auf.

Hier zum Vergleich die Gesamtverkaufszahlen der bisherigen Alben, an denen sich Rebel Heart wird messen müssen. Wie man sieht, sagt eine Chartplatzierung nicht unbedingt viel über den tatsächlichen bzw. monetären Erfolg eines Albums aus. Momentan sieht es für Rebel Heart sogar schwierig aus, die 1,8 Millionen von MDNA zu erreichen.

Album Erscheinungs-
jahr
Verkaufte Einheiten
USA
Verkaufte Einheiten
global
höchste US Chart-
position
höchste DE Chart-
position
MDNA 2012 539.000  1.800.000 1 3
Hard Candy 2008 744.000  4.000.000 1 1
Confessions on a Dance Floor 2005 1.703.000 12.000.000 1 1
American Life 2003 680.000  5.000.000 1 1
Music 2000 2.925.000 15.500.000 1 1
Ray of Light 1998 4.359.000 20.000.000 2 1
Bedtime Stories 1994 2.312.000 7.000.000 3 4
Erotica 1992 1.893.000 6.000.000 2 5
Like a Prayer 1989 5.000.000 15.000.000 1 1
True Blue 1986 7.000.000 25.000.000 1 1
Like a Virgin 1984 10.000.000 21.000.000 1 1
Madonna 1983 5.000.000 10.000.000 8 28

Angesichts dieser Zahlen wird deutlich, dass sich die Zeiten prinzipiell geändert haben. Wenn man heutzutage mit „nur“ 315.000 verkauften Alben Platz Eins der Welt werden kann, während man früher seine Tonträger millionenfach unter die Leute bringen konnte, klagt die Plattenindustrie zurecht über schrumpfende Verkaufszahlen und einer Branche in der Krise. Denn Fakt ist schließlich auch, dass letzte Woche alle anderen Künstler weniger als 315.000 Alben verkauft haben, und Madonna zurecht auf Platz Eins gelandet ist.

Wie erwartet kann sich Rebel Heart in der zweiten Woche nicht auf den Spitzenpositionen halten. In den USA verkaufte sich das Album in der Folgewoche nur noch 22.800 Mal und geht damit von Platz 2 bergab auf 22. Das ist ein Fall um 80%. In Europa ist es nicht so dramatisch. In Deutschland fällt Rebel Heart von 1 auf 4, in Italien ebenfalls von 1 auf 4, in UK von 2 auf 7, in Spanien von 1 auf 9.

Dass das Album fällt, ist prinzipiell nicht ungewöhnlich. Das geht heutzutage den meisten Künstlern so. Alle sind darauf aus, gleich in der ersten Woche die Spitzenposition zu erreichen und richten ihre ganzen Marketingaktionen auf dieses Ziel aus. Schließlich klingt es toll verkünden zu können, dass ein Album von 0 auf 1 in die Charts geschossen ist. Nur ist damit auch gleich in der ersten Woche der Großteil der potentiellen Käuferschaft erreicht. Das Album muss quasi in der Folgewoche fallen. Früher stieg ein Album für gewöhnlich irgendwo in den 30ern oder 20ern in die Charts ein und arbeitete sich dann langsam nach oben. Heute geht es umgekehrt. So schnell wie Rebel Heart in den USA sollte ein Album dann aber nicht fallen. Die Nummer Eins-Position sollte vielmehr weitere Käufer anlocken, Nicht-Fans zum Reinhören animieren, und das Album auf diese Weise zumindest in den Top 10 halten. Doch offenbar hat Madonna zwar viele loyale Fans, die sie immer wieder auf Platz Eins katapultieren, aber außerhalb dieser Fanbase kaum noch Appeal. Es ist  zu befürchten, dass in zwei oder drei Wochen Rebel Heart ganz aus den Charts verschwunden sein wird.

Vermutlich wird man jetzt die Leaks dafür verantwortlich machen. Doch das dürfte die geringen Verkaufszahlen nur zum Teil erklären. Die Fans haben das Album trotz der Leaks gekauft und hören jetzt Demos und offizielle Versionen parallel. Außerhalb der Fanbase hat kaum jemand etwas von den Leaks mitbekommen, geschweige denn sich die Mühe gemacht, all die geheimen Links aufzustöbern, um sich Demos von einer Künstlerin herunter zu laden, von der man nichtmal Fan ist.

Vielleicht können weitere Singles und Videos das Blatt noch wenden. Alle Hoffnungen liegen nun auf Ghosttown, das schon vorab von Kritikern und Radiostationen wesentlich besser aufgenommen wird als Living For Love. Ein aufregendes Video zu dieser Single wird Hörer hoffentlich dazu animieren, in das Album nochmal genauer rein zu hören und weitere Perlen zu entdecken.