«

»

Mrz 31 2015

Tidal soll die Musikwelt verändern

Gestern abend fand in New York ein etwas seltsames Launch Event statt, an dem neben Madonna auch viele andere Künstler wie Alicia Keys, Rihanna, Beyoncé, Kanye West, Nicki Minaj, Jay-Z, Usher, Jack White, Deadmau5, Coldplay, Calvin  Harris oder Daft Punk teilnahmen. Es ging um den Launch von Tidal, einem neuen Musikstreamingdienst, der ähnlichen Diensten wie Spotify, Napster oder Deezer Konkurrenz machen soll. Tidal ist insofern anders, als der Dienst von Künstlern betrieben wird und nicht von Techies oder Geschäftsleuten, die mit der Musik Anderer einen schnellen Dollar verdienen wollen.

Tidal wurde letztes Jahr von der norwegischen Firma Aspiro gegründet. Jay-Z sah als erster das Potential der Plattform und die Chance, etwas Neues und Anderes daraus zu machen und investierte $56 Millionen in das Startup-Unternehmen. Tidal ging im Oktober 2014 an den Start, eher klein und unbemerkt, hat seitdem ca. 540.000 zahlende Mitglieder werben können und ist damit bislang der kleinste Streaminganbieter am Markt (zum Vergleich: Spotify vereint als größer Anbieter 15 Millionen Abonnenten). Jay-Zs Vision von Tidal ging aber von Anfang an weiter, als nur ein weiterer Streaminganbieter zu sein, von denen es bereits mehr als genug gibt, und die im Ruf stehen, die Plattenindustrie zu ruinieren. Sinkende Albumverkaufszahlen und steigende Streamingzahlen sprechen eine deutliche Sprache bezüglich geändertem Nutzerverhalten von Musikfans und daraus resultierender schlechter Bezahlung der Künstler und all der vielen Leute, die hinter den Künstlern stehen und an deren Werken mitwirken. So wollte Jay-Z aus Tidal einen Anbieter machen, der tatsächlich den Künstlern nützt und die Plattenindustrie rettet.

Die Idee ist also, dass der Streamingdienst von Künstlern selbst betrieben wird. Jay-Z konnte all die oben gelisteten Künstler von seiner Vision überzeugen und dazu bringen, ein Teil von Tidal zu werden. Sie alle haben in den Dienst investiert und sind nun Miteigentümer. Wie das Geschäftsmodell nun genau aussehen soll, bleibt momentan aber noch unklar.

Alicia Keys: „Wir möchten einen besseren Service und eine bessere Erfahrung für Fans und Künstler schaffen. Unsere Mission geht über Kommerz und Technologie hinaus.“

Jay-Z: „Die Richtung, in die die Musikindustrie gerade geht, gefällt uns nicht, und wir dachten uns, da schreiten wir ein. Und auch wenn es uns nur gelänge, die Leute wach zu rütteln und die Gratis- vs. Bezahlsysteme zu verbessern und einen fairen Handel zu propagieren, wäre uns schon geholfen. Die Leute respektieren Musik nicht mehr; sie setzen ihren Wert herab. Sie meinen, Musik müsse kostenlos sein, zahlen aber $6 für Wasser. Wasser kommt gratis aus dem Wasserhahn, und dennoch bezahlt man dafür, für Musik aber nicht. Ich habe es gut, ich kann auf Tournee gehen. Aber was ist mit all den Leuten, die an einer Platte arbeiten? Die die Musik erschaffen? Wenn diese Leute nicht angemessen entlohnt werden, werden wir viele Autoren und Produzenten verlieren. Jeder von euch, der arbeiten geht, tut das, um dafür bezahlt zu werden.“

Gerade am Beispiel von Madonna macht dieses Projekt Sinn. Sie hat für Rebel Heart eine Heerschar an Produzenten und Komponisten engagiert, mit denen sie die Erlöse aus dem Verkauf des Albums, die sogenannten Tantiemen, teilen muss. Während Madonna selbst Millionen auf der Tournee verdienen kann, müssen sich die kreativen Köpfe hinter den Songs mit eben diesen Tantiemen zufrieden geben, die bei 435.000 verkauften Alben weit von der Million entfernt sind. Es wird also zunehmend schwieriger werden, gute Produzenten für zukünftige Alben zu finden.

Doch es geht bei diesem Projekt nicht nur um gerechte Bezahlung sondern auch um die Förderung der Kreativitiät. Wenn ein Künstler weiß, dass er für seine Arbeit gerecht bezahlt wird, kann er viel freier und kreativer in seinem Schaffensprozess sein. Man könnte z. B. über Tidal spezielle Videos oder 18-minütige Mixes seiner Songs mit den Fans teilen, kreative Projekte, für die es sonst keinen Markt gäbe, weil sie nicht refinanziert würden.

Wir sind gespannt, wie sich Tidal entwickeln wird. Aktuell kann man für €9,99 monatlich bei Tidal einsteigen und bekommt dafür Standardaudioqualität. Für €19,99 bekommt man, und auch das ist neu, verlustfreie Qualität. Auch Spotify bietet unterschiedliche Qualitätstufen an, aber eben keine verlustfreie. Damit ist das Tidal-Modell zwar besser, aber auch deutlich teurer als die Konkurrenz, und es wird spannend zu sehen, ob sich Musikfans darauf einlassen werden, um ihren Künstler zu unterstützen. Exklusiv bei Tidal angebotene Inhalte sollen schon bald die Fans zum neuen Anbieter locken. Werden die Fans bei Tidal zahlen, wenn Madonnas Videos künftig nur noch dort laufen..?

Das Launch Event könnt ihr euch bei tidal.com anschauen. Hier gibt es einen Trailer.