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Apr 05 2015

Die Rebel Heart Ära droht zu floppen

In der dritten Woche fällt Rebel Heart noch tiefer: In den USA von Platz 22 auf 34. In Deutschland von 4 auf 13. In den United World Charts von 3 auf 9. Nur noch 62.000 Exemplare konnte Madonna von ihrem Album in der dritten Woche verkaufen. Damit wird es allgemeinhin bereits als der größte Flop ihrer gesamten Karriere bezeichnet. Doch wieder muss man festhalten, dass das Album hauptsächlich in den USA ein Flop ist, während es sich im Rest der Welt einigermaßen wacker schlägt.

Um die Tournee steht es nicht besser. Noch nie verkauften sich Madonna-Tickets so schleppend. Auf den ersten Blick sieht alles ganz gut aus. Immerhin wurden einige Shows ausverkauft und entsprechend Zusatzkonzerte angesetzt. Doch es hätten viel mehr Zusatzkonzerte sein sollen. Wer sich den Tourplan genau ansieht, dem fällt auf, dass es zwischen den Terminen große Lücken gibt. Diese hätten mit weiteren Zusatzshows gefüllt werden sollen. Nachdem sich aber die bereits angesetzten Zusatzshows schon so gut wie gar nicht mit Fans füllen lassen, wurde die Ankündigung weiterer Shows ausgesetzt, und das obwohl die Tournee schon erstaunlich kurz ist und nur sehr wenige Termine umfasst.

Am schlimmsten trifft es Deutschland. Die jeweils ersten Konzerte in Köln und Berlin fanden reißenden Absatz und gelten als ausverkauft (es gibt nur noch sehr wenige vereinzelte Restkarten). Für die zweiten Shows gingen zwar jeweils die Stehplatzkarten ruckzuck weg, sonst aber leider keine. Es sind noch Tausende (!) Sitzplätze frei, sogar in den besten Kategorien. Wenn diese Shows noch diesen Monat stattfinden würden, müssten sie abgesagt werden. Es bleibt zu hoffen, dass sich die Lage bis November deutlich ändern wird. Fans, die fest mit weiteren Shows in London und Barcelona gerechnet hatten, sind enttäuscht und überrascht. Gerade London galt immer als „sicherste“ Stadt, wo sich die meisten Madonna-Tickets verkaufen lassen. Doch in der aktuellen Situation traut sich der Konzertveranstalter nicht, ein Zusatzkonzert bekannt zu geben, obwohl die Londoner O2 Arena bereits als von Madonna für zwei (!) weitere Termine gebucht gilt.

Wie erwartet werden offiziell die Leaks für die schlechten Verkaufszahlen verantwortlich gemacht. Und da ist auch bestimmt was dran. Während die Fans das Album zwar trotzdem gekauft haben, und zum Teil sogar mehrmals, haben den Nicht-Fans die Demos anscheinend genügt. Doch das kann nicht der einzige Grund sein. Vielen ist Madonna einfach zu alt, um sie als Popstar ernst zu nehmen, wie man leider immer wieder hört. Auf BBC Radio 1 wurde Madonna komplett verbannt, und auch in den USA wurde Living For Love von nur sehr wenigen Radiostationen gespielt. Und das ist insbesondere im Fall von Rebel Heart sehr schade. Über ein Jahr lang hat sie an dem Album gearbeitet und so viel Herzblut hinein gesteckt, wie schon lange nicht mehr, die besten aktuellen Produzenten engagiert, wunderschöne Melodien geschrieben und viele wunderbare Songs geschaffen, die es verdienen gehört zu werden. Und doch kauft niemand das Album, das allgemeinhin als ihr bestes seit langer Zeit gilt.

Für den mageren Ticketverkauf machen viele die hohen Ticketpreise verantwortlich. Es stimmt, sie sind sehr hoch. Aber Madonna-Tickets waren schon immer teurer als alle anderen, und die aktuellen Preise liegen nicht oder nur knapp über denen von MDNA oder Sticky & Sweet, und die verkauften sich sehr gut. Massiv geschadet haben dürfte ihr der Sturz bei den Brits, der dafür gesorgt hat, dass man sich weltweit über Madonna lustig machen und spotten konnte. Von dem neuen Album haben nicht viele gehört, von dem Sturz wirklich jeder. Und ausgerechnet zu diesem Zeitpunkt wird die Tournee angekündigt. Nach dem makellosen Spektakel beim Superbowl wollte jeder eine Show von Madonna sehen, Fan oder nicht, obwohl (oder gerade weil) man zu diesem Zeitpunkt außer Give Me All Your Luvin‘ von dem MDNA Album noch gar nichts kannte. Man kann davon ausgehen, dass sich damals viele Nicht-Fans in den Shows einfanden, einfach um Madonna einmal im Leben live gesehen zu haben. Diese Leute müssen Madonna aber kein zweites Mal sehen, insbesondere wo sie dieses Mal in dem Ruf steht, eine Pannenshow zu inszenieren. Man kann davon ausgehen, dass aktuell nur wirkliche Fans zu den Ticketkäufern zählen. Überhaupt sagen die aktuellen Verkaufszahlen von Album und Tickets sehr viel darüber aus, wie viele wirkliche Fans Madonna auf der Welt hat, und wer Madonnaprodukte nur gelegentlich kauft.

Alle Hoffnungen liegen nun auf Ghosttown. Nächste Woche soll das Video zur zweiten Single erscheinen, die CD-Single am 24. April. Man kann jetzt schon sagen, dass Radiostationen den neuen Song viel freundlicher aufnehmen als Living For Love. Offenbar wird die Qualität der Ballade doch geschätzt, und es ist zu hoffen, dass der Song viel Airplay erhält und sowohl Album als auch Tour pushen und die Ära retten kann.

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