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Jun 19 2015

Die Strategie hinter dem BIM Video

Während eine Großzahl der Fans das Video zu Bitch I’m Madonna weiterhin dissen (sogar im ICON Fanclub wird böse über das Video hergezogen), verfehlt es seine Wirkung dennoch nicht. Es bricht Twitterrekorde, und so ziemlich jedes Presseerzeugnis berichtet darüber. Nach 24 Stunden online bei Vevo hat es fast 3 Millionen Views erreicht. Das haben Living For Love und Ghosttown seinerzeit nicht so schnell geschafft. Wieso ist also ein Video, das laut Fanmeinung so viel schlechter ist als das „Meisterwerk“ Ghosttown, so viel erfolgreicher?

Zunächst mal sagt allein die Zahl der Views, Tweets und Pressekommentare ja noch nichts über die Qualität des Videos und über reale Verkaufszahlen aus. Sie sagt nur aus, dass prinzipiell mehr über das BIM-Video diskutiert wird als über beispielsweise Ghosttown. Die Äußerungen müssen aber nicht notwendigerweise positiv sein. Auf jeden Fall hat das Video aber erreicht, was es sollte: Aufmerksamkeit zu generieren.

Und natürlich gibt es viele negative Kommentare. Und wie erwartet drehen sie sich fast alle um Madonnas ungebührliches Verhalten, das nicht ihrem Alter entspricht. Man kann offenbar keine Frau tolerieren, die mit 56 ausgelassen Party feiert, Spaß hat und sich sexuell offensiv gibt. Aber es gibt auch erstaunlich viele positive Meldungen, die Madonnas Botschaft unterstützen wie z. B. der Artikel von Hollywood Life, der Madonnas Hatern und Altersdiskriminieren in den Hintern tritt. Auch die New York Post mag Madonnas Video und konzentriert sich in der Besprechung vor allem auf die Cameo-Auftritte der weniger bekannten Stars.

Eine gute Analyse liefert Billboard. Denn auch wenn es in dem Video vordergründig um Spaß geht, hat es Madonna natürlich nicht nur aus Spaß gedreht sondern viel Arbeit in ein wohl konzipiertes und ausgeklügeltes Video gesteckt, das eine wichtige Funktion in ihrer Karriere erfüllen soll. Weder Living For Love noch Ghosttown haben es in die US Top 100 Single Charts geschafft. Damit ist Rebel Heart das erste und einzige Madonna-Album, das bislang noch keine Single in diesen wichtigen Charts platzieren konnte. Umso wichtiger ist es, dass dies mit Bitch I’m Madonna nun gelingt, und die Welt (nicht nur die Fans) von Rebel Heart wieder Notiz nehmen und es als das hervorragende Album wahrnehmen, das es ist. Daher besinnt sich Madonna mit BIM auf eine Taktik, die sie schon immer wieder erfolgreich eingesetzt hat: Provokation. Während Living For Love und Ghosttown hauptsächlich durch ästhetische Bilder bestachen, präsentiert sich Madonna in Bitch I’m Madonna bewusst als 56-jähriges Partygirl mit Spaß an Sex und Bitch-Image, wohlwissend dass sie damit viele konservativ Denkende vor den Kopf stoßen wird. Und die Rechnung geht auf: Weltweit schreibt sich die Presse über BIM die Finger wund, während sie Living For Love und Ghosttown ignoriert hat. Auch die Anhäufung von Gaststars hat natürlich ihren Grund. Schon zahlreiche andere Stars haben vor Madonna erfolgreich auf diesen Trick zurück gegriffen, um ihre Karrieren anzukurbeln. Da wären z. B. Katy Perry, Pharrel Williams, Jay-Z und zuletzt Taylor Swift zu nennen. Die Botschaft eines solchen Videos ist klar: „Ich habe viele wichtige und berühmte Freunde und bin daher selber super wichtig“, um es mal überspitzt zu formulieren. Aber es stimmt ja auch. Wenn Beyoncé in einem Madonna-Video voguet, hat das eine gewisse Signalwirkung. Madonna zeigt sich inmitten vieler aktuell beliebter Stars (zumindest in den USA, und um genau diesen Markt geht es hier) und beweist somit, dass sie mitnichten zum alten Eisen gehört. Laut Billboard ist demnach das Bitch I’m Madonna-Video genau das Video, das sie jetzt drehen musste, auch wenn sich viele Fans vielleicht ein künstlerisch hochwertigeres Video gewünscht hätten.

Die Aufmerksamkeit ist ihr also schonmal sicher. Bleibt abzuwarten, wie sich das in Chartnotierungen und monetärem Erfolg auswirken wird.