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Aug 16 2015

Madonna über ihre Show, das Geschichtenerzählen, Mike Tyson und Handys

In einem weiteren Interview zur Promotion der bevorstehenden Rebel Heart Tour plauderte Madonna mit dem frankokanadischen Magazin Journal de Montréal und verrät: „Wir sind in den letzten Zügen. Wir arbeiten gerade noch an einigen Songarrangements, Inszenierungen und Choreographien. Die Show ist zu 75% fertig. Ich bin in jeden Aspekt der Show involviert, von der Setlist bis zu den musikalischen Arrangements. Ich habe die 20 Tänzer ausgewählt, ich beaufsichtige die Choreographien, die Beleuchtung, die Kostüme und die Videos, die wir für die Show drehen. Ich fokussiere mich auf die Botschaft, die ich rüberbringen möchte und die Aussagen, die ich machen möchte. Ich überwache jedes Detail, denn ich liebe das. Das ist Schöpfung.“

„Ich nehme all die kleinen Ideen auf und erwecke sie zum Leben. Und da ich eine Geschichte erzähle, ist jedes Detail wichtig für mich. Ich bediene mich meiner Lieder, um Geschichten zu erzählen. Und meine Lieder erzählen ihrerseits Geschichten. Man kann mindestens fünf Geschichten mit jedem meiner Sogs erzählen. Die meisten Ideen, die ich für die Show habe, sind direkt mit den Themen der Songs verknüpft. Liebe ist natürlich ein zentrales Thema. Romantik, Liebeskummer, an seine Träume glauben, an sich selbst glauben, wiederaufstehen und sich den Herausforderungen stellen. Dinge, die uns jeden Tag berühren.“

Auf die Frage, warum sie ausgerechnet Mike Tyson in einem kontroversen Backdropvideo auftreten lässt, gibt sie zu, dass sie ihn sehr bewundert: „Er war so vielen Widrigkeiten ausgesetzt. Er stammt aus einem sehr schwierigen familialen Umfeld. Er hatte nichts. Er kam aus dem Nichts. Er hatte alles gegen sich. Aus meiner Sicht ist er der ultimative Held, denn trotz aller Schwierigkeiten und all der Höhen und Tiefen und der düsteren Phasen, konnte er irgendwie eine positive Zone in seinem Leben erreichen und hat die Verantwortung für seine Handlungen übernommen. Er teilt seine Lebenserfahrungen mit anderen, damit sie daraus lernen können. Letztendlich ist er ein guter Mensch.“ Auch im Song Iconic geht es um diesen Kampf: „Ich möchte, dass die Leute sich nicht selbst Limitierungen auferlegen oder sich Limitierungen von der Gesellschaft auferlegen lassen. Der Sinn des Lebens ist es, dass man sich weiter entwickelt, dadurch dass man Herausforderungen begegnet und Limitierungen zurückweist.“

Zum Thema Liebe und Liebeskummer erklärt sie: „Niemand kann ohne Liebe leben. Die Liebe kann dich leiden lassen, aber das ist Teil unserer Lebenserfahrung. Es ist wie mit allem: Du probierst einige Dinge, du hast Misserfolg, aber du musst weitermachen, ohne dich unterkriegen zu lassen.“

Wie das Album Rebel Heart entstand: „Ich habe es nicht bewusst gemacht. Wenn ich Songs schreibe, lasse ich die Inspiration von mir Besitz ergreifen. Es wie eine Kanalisation von Ideen, und ich lasse alles heraus. Ich drücke aus, was ich in diesem speziellen Moment empfinde.“

Die Auswahl der Songs für die Show war schwer. „Das ist eine große Herausforderung. Es ist wirklich schwierig. Ich habe ein großes Repertoire. Ich möchte ein Gleichgewicht erreichen zwischen den wichtigsten Songs des aktuellen Albums und sie Teil der Geschichte werden lassen, die ich versuche zu erzählen. Und natürlich habe ich in der Liste meiner musikalischen Werke der letzten 30 Jahre herum gewühlt.“

„Die Konzerterfahrung hat sich in den letzten Jahren sehr verändert. Heute besitzen alle ein Smartphone, das es erlaubt, Bilder der Show aufzunehmen und zu teilen. Das ist eine Form der Kommunikation, nicht nur zwischen den Besuchern der Show sondern mit der ganzen Welt. Ich glaube, das hindert die Leute daran, die Erfahrung der Show tatsächlich zu erleben. Die Show sollte eine Interaktion zwischen dem Künstler und seinem Publikum erlauben, ohne Barrieren. Daher ist es seltsam auf der Bühne zu stehen und dieses Meer aus Handys zu sehen, die mich daran hindern, den Leuten in die Augen zu schauen. Sie sehen nicht wirklich die Show an. Sie bekommen von ihr eine Wahrnehmung vermittelt durch das Handy.“

Quelle: Journal de Montréal